Fat Harry & the A-List rocken den Gaisburger Wald
Hits aus den 1960er und 1970er Jahren auf der Waldebene Ost
Samstagnacht, Waldebene Ost. Dort, wo sich um diese Zeit sonst Fuchs und Hase gute Nacht sagen, lässt die Wirtin der Vereinsgaststätte des Turnerbunds Gaisburg, Dagmar Ziegler, den Bär tanzen. Auf ihre Einladung präsentierten Fat Harry & the A-List am vergangenen Samstagabend das Beste aus Rock, Blues, Rock"n"Roll und Soul. Hits aus den 1960er und 1970er Jahren sowie eigene Songs aus der Feder von Lead-Sänger Paul E. Harrison und Keyboarder Andreas Spätgens brachten die rund 60 Gäste zum Tanzen - leider nicht unter freiem Himmel, wie geplant, sondern im Saal der Gaststätte. Dafür aber aufs beste bewirtet mit einer liebevoll zusammen gestellten Speisekarte.
WALDEBENE OST - Die Partystimmung war kein Wunder, denn Harrison versteht sich in erster Linie als Entertainer. "Ich motiviere die Band, so dass wir richtig Spaß haben," beschreibt Harrison sein Gute-Laune-Konzept. "Das geht auf die Leute über und die paar, die die Stimmung nicht ansteckt, werden neidisch auf die Gutgelaunten und zwingen sich dann dazu, genau so gut drauf zu sein." Paul E. Harrison oder Fat Harry, wie sein Alter Ego auf der Bühne heißt, hat sich mit seiner Reibeisenstimme, seiner Interpretation von Blues-, Rock-, Rock"n"Roll oder Soul-Titeln in der besten Tradition britischer Shouter wie Joe Cocker oder Roger Chapman und seiner überschäumenden Lust am Entertainment längst einen Namen gemacht. Mit der A-List hat er sich den lang gehegten Wunsch erfüllt, mit eigener Band das ganze Spektrum seines Könnens und seiner musikalischen Bandbreite zu präsentieren: Rockmusik aus den 1950ern bis heute.
Mit Anleihen bei allen Musikstilen, die den Rock"n"Roll befruchtet haben wie Soul, Reggae, Latin, Blues, Country oder Jazz. Mit Hits aus fünf Jahrzehnten, verloren geglaubten Kostbarkeiten und starken Songs aus der Feder von Harrison und seinen Mitstreitern. Begleitet wurde Harrison von sechs erfahrenen Musikern mit viel Spielfreude, gleichermaßen dienstbare Geister für Fat Harry"s Show und selbstbewusste, versierte Solisten. Eine Band die für sich alleine schon den Konzertbesuch wert war. Mit dem Band-Namen macht Paul Harrison seinen Mitmusikern ein Kompliment: "A-List", das ist sozusagen die Auswahlmannschaft versierter Musiker, die "Fat Harry" um sich versammelt hat. Die zwei Engländer und die fünf Schwaben boten nicht nur Party, sondern unterhielten auch den Musikfreund bestens. Harrison selbst hat Soul und lebt die Stücke die er interpretiert öffentlich. Lebt, keucht, schreit und fleht - gleich ob"s um die eigene "Story of my Life" geht, um häufig besungene Damen wie "Proud Mary" oder, ob er - wie schon Ray Charles und Joe Cocker darum baten - von den Fesseln seines Herzens befreit wird ("Unchain my heart").
Mit Stimme und ganzem Körpereinsatz parodiert er auch einige der Helden, deren unvergessliche Songs erklingen, vom bereits genannten Joe Cocker, über Rock-Opa Mick Jagger bis hin zum "King", Elvis Presley. Die beiden Gitarristen Trevor Brown und Thomas Rißmann, duellieren sich abwechslungsweise, lassen ihre Stratocaster-Gitarren parallel singen und ergänzen sich. Peter Zislers Saxofon schmachtet zornig. Auf der Flöte begeistert Zisler bei "Locomotive Breath", das er zusammen mit Pianist Andreas Spätgens elegisch einleitet. Das Rhythmusfundament groovt und swingt stets zuverlässig. Drummer Hartmut Ott und Bass-Mann Bernd Sättler halten den Laden zusammen wie Frau Merkel ihr Kabinett. Schließlich begeistert Andreas Spätgens mit seinem brodelnden, kraftvollen Keyboardspiel, mal mit fetten Orgelsounds, mal mit unruhigen rhythmischen Läufen. Das Publikum wollte sich auch nach mehr als drei Stunden für Musiker wie Gäste schweißtreibender Show gar nicht von Fat Harry & the A-List verabschieden und sammelte - obwohl Eintritt bezahlt werden musste - für die Musiker, um die Gage aufzustocken. Und das im Schwabenland ! red
06.09.2007 - aktualisiert: 06.09.2007, 07:01 Uhr |