
Backnang – Auf der Bühne des cje in Steinbach wurde es eng – und das nicht, weil alle Mitglieder von Fat Harry & The A List so beleibt gewesen wären wie Fat Harry selbst. Immerhin waren sie zu sechst auf der relativ kleinen Bühne, und dort heizten sie nicht nur dem Publikum mit Rockmusik ein, sondern auch sich selbst. Fat Harry und seine Gruppe waren der mitreißende Beweis dafür, dass nicht nur gute Musik, sondern auch die Begeisterung der Interpreten selbst für das, was sie machen, maßgeblich sind fürs kletternde Stimmungsbarometer im Publikum.
VON MONIKA DEGNER
Auch im Saal war es schnell eng geworden. Das Konzert mit Paul E. Harrison alias Fat Harry hatte viele Besucher angelockt, und bald waren nicht nur alle Stühle besetzt, sondern auch alle Stuhlersatzgelegenheiten. Also stand man halt und harrte der Dinge. Locker und ungezwungen spielte The A List sich mit einem ersten Stück ein. Ungezwungen auch ihre individualistische Kleider-Unordnung. Die reichte vom bunt gescheckten Kostüm inklusive kariertem Zylinder bis zum puristischen Jeans-Outfit. Im getigerten Gehrock schwang sich schließlich Fat Harry auf die Bühne und erhob die zu Recht gerühmte Reibeisenstimme. Der Sänger, das wurde schnell deutlich, ist das Zentrum der Truppe. Er residierte sozusagen im Mittelpunkt. Dort wölbte er seinen Bauch dezent vor, auf dem er kurzfristig auch einmal graziös die Hand ablegte, dort flirtete er mit dem Mikrophon, tänzelte in seinen roten Schuhen ein wenig hin und her. Über der starken körperlichen Präsenz Harrisons mochte man seine Stimme manchmal vergessen, obgleich diese fast unentwegt im Spiel war, rau und kräftig, ein ideales Stimmorgan für die überwiegend aus den 60er-Jahren stammenden Rock-Titel.
Ausdauernd stellte Harrison auch seine Qualitäten als Entertainer unter Beweis. Zwischen den einzelnen Titeln las er immer wieder das Stimmungsbarometer ab: „Seid ihr gut drauf?“, fragte er das Publikum. Erschien ihm die Temperatur zu niedrig, die Reaktion noch zu lau, wurde die A List ein weiteres Mal angefeuert: „Weiterarbeiten Jungs! Sie sind immer noch gries drauf.“ Das Publikum reagierte auf diesen zur Schau gestellten Kampf mit seiner Stimmungslage amüsiert, ebenfalls auf das mit Genuss zelebrierte Kauderwelsch des Frontmanns, einer übertragungsbedürftigen Melange aus Vulgär-Deutsch, Schwäbisch und Englisch, aus der ein gewisses Wort der Fäkalsprache deutlich herausragte. Schließlich war der Zeitpunkt erreicht, an dem das Publikum im doppelten Sinne zu tanzen begann. „Es gibt eine Regel, auch im Schwabenland, die heißt, wenn du Eintritt gezahlt hast, darfst du auch Spaß haben“, hänselte Harrison und verführte sein mehrheitlich schwäbisches Publikum zu herzlichem Gelächter. Dann verkündete er: „I’m gonna make to sing you“, und das Publikum sang zunehmend kräftig mit – und direkt vor der Bühne begannen die ersten zu tanzen. Schließlich tanzten fast alle, und die Doppelstrategie der Band aus Entertainment und guter Musik hatte voll gezündet. Jetzt war überall Party, auf der Bühne und im Saal. Das Zusammenspiel der Band war ausgezeichnet. Einzelleistungen und Soli überzeugten. Es spielten: Trevor Brown und Thomas Rissmann (E-Gitarre), Peter Zisler (Saxophon, Flöte), Hartmut Ott (Schlagzeug), Bernd Sättler (Bass), Andreas Spätgens (Keyboard).