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Alle hat plötzlich das Blues-Fieber gepackt...

15.01.2008

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Er lebt den Blues: Der englische Sänger Fat Harry. Im cje trat er mit The A List auf. Foto: A. Wahl »

Backnang – Soeben wurde der letzte Song vor der ersten Pause gespielt. Die Stimmung im Publikum ist freundlich, aber keineswegs euphorisch. Höflich applaudieren die rund 100 Zuhörer im ausverkauften Haus des club junges europa. Doch dann erhebt Fat Harry seine raue Stimme und fordert das Publikum auf, sich in der Pause eine Erfrischung zu gönnen. Denn „the more you drink, the better we sing“ macht er deutlich und bringt damit den ganzen Saal zum Lachen.

VON TORSTEN FRÜH

Seine Stimme erinnert an Joe Cocker, sein Lächeln an King Ralph und doch ist er stets er selbst. Paul E. Harrison oder Fat Harry, wie er sich nennt, lebt den Blues auf der Bühne. „Die Musik kommt direkt aus meiner Seele“, sagt der Engländer in seinem gebrochenen, charmanten Deutsch.

Während Thomas Rissmann eines seiner zahlreichen Gitarrensoli spielt, verlässt Fat Harry die Bühne und lauscht in einer Ecke andächtig den Klängen seiner Band. Ob er es will oder nicht – auch hier steht er im Mittelpunkt: das Bandmitglied als Teil der Zuhörer. „Die Nähe zum Publikum ist mir das Wichtigste“, gesteht er. „Ich möchte, dass die Leute ihren Alltag vergessen und mit uns in die Welt des Blues und Rock’n’Roll abtauchen.“

Und genau das gelingt den sieben Musikern nach der Pause. Das Eis ist gebrochen und die Tanzfläche plötzlich überfüllt mit den bunt gemischten Zuhörern. Da ist der Rentner in seinem weißen Hemd und die Teenagerin, die ihre blonden Haare durch die Luft wirbelt. Sie alle hat das Blues-Fieber gepackt, das von Fat Harry & The A List bis in den letzten Winkel des Saales zu spüren ist.

Mit ihrem Repertoire bricht die Band Generationengrenzen auf. Von den Beatles über die Rolling Stones bis hin zu Queen gibt die Band alte Hits zum Besten. Und Fat Harry sprüht vor guter Laune. Mal gibt das Mikrofon den Geist auf, mal vergisst der Sänger den Text – das stört ihn nicht, und auch niemanden im Publikum. Der 49-Jährige scheint auch den Grund dafür zu kennen: „In Deutschland sagt man, man hört eine Band, in England sagt man, man sieht eine Band.“ Fat Harry versteht sich in erster Linie als Entertainer und muss das ein oder andere Mal mitten in einem Song lachen. Das Publikum im cje dankt es ihm mit frenetischem Applaus zum Beginn der zweiten Pause.

Als die Band dann wieder in die Tasten und Saiten greift, dauert es nicht lange, und die Tanzfläche ist wieder zum Bersten voll. Und spätestens bei Joe Cockers „Unchain My Heart“ singen und klatschen alle im Saal. „Roll Over Beethoven“ soll dann eigentlich das letzte Stück an diesem Abend sein. Zuvor jedoch fordert Fat Harry die Zuhörer in einer Mischung aus Schwäbisch und Englisch auf: „Danach you have to cry ,Zugabe’ wie d’Sau!“ Und als dann Andreas Spätgens mitten im Song seinem Keyboard „Freude schöner Götterfunken“ entlockt, ist allen klar: Die haben noch richtig Lust!

Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Denn Routine kommt bei Fat Harry niemals auf. „Es ist jedes Mal wieder aufregend, auf die Bühne zu gehen. Und ich hoffe, es wird noch lange so sein“, erklärt er. Nach diesem Abend zweifelt keiner daran. Bleibt zu wünschen, dass man Fat Harry & The A List bald wieder in Backnang zu hören, oder sagen wir doch besser: zu sehen bekommt.

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